Berliner Journal für Soziologie

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Kriminologie
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Das Berliner Journal für Soziologie, herausgegeben vom Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin, veröffentlicht Beiträge zu allgemeinen Themen und Forschungsbereichen der Soziologie sowie Schwerpunkthefte zu Klassikern der Soziologie und zu aktuellen Problemfeldern des soziologischen Diskurses. Umfassende Review-Essays greifen innovative Entwicklungen innerhalb der deutschen und internationalen Sozialwissenschaften auf und informieren über den Stand der Forschung in zentralen Bereichen der Soziologie.
Meine Notizen
Bindungsmacht in Paarbeziehungen. Warum Beziehungen scheitern

Seit Jahrzehnten ist ein Anstieg der Zahl von Trennungen und Scheidungen zu verzeichnen. Bislang liegen allerdings nur wenige sozialwissenschaftliche Untersuchungen zu den Ursachen des Scheiterns von Beziehungen vor. Der Beitrag stellt eine Analyse vor, die ausgehend von einer DFG-geförderten qualitativen Studie zu Trennungsprozessen das „Innenleben“ des Scheiterns prozessanalytisch, d. h. in seinen Konstellationen, Verläufen und Dynamiken untersucht und dabei, basierend auf Befragungen beider Ex-Partner*innen, das Paar zur Untersuchungseinheit erhebt. Der Studie liegt ein Sample von insgesamt 23 Ex-Paaren aus unterschiedlichen Soziallagen und mit unterschiedlichen Bildungshintergründen zugrunde. Insgesamt konnten in der Studie drei Grundkonstellationen gescheiterter Beziehungen identifiziert werden, von denen eine ausführlicher behandelt wird: Beziehungen, deren Scheitern in fortwährenden und großen Machtungleichgewichten zwischen den Partner*innen begründet liegt. Gezeigt wird, wie emotionale Ungleichheiten und symbolische Herrschaft miteinander verzahnt sind und unter welchen Bedingungen ein großes Machtgefälle zum Scheitern der Beziehung führt.

Schader-Preis 2019 für Christoph Möllers
Anmerkungen zum Gebrauch der Netzwerkanalyse in der Neoliberalismusforschung

Quantitative Verfahren der Netzwerkanalyse werden in Forschungen zur Ideengeschichte des ökonomischen Denkens und des Neoliberalismus zunehmend eingesetzt, um die historischen Ausbreitungsprozesse einflussreicher Ideen zu rekonstruieren. Ausgehend von der jüngeren Diskussion um den Nutzen und die methodischen Standards von quantitativen Analyseverfahren im Bereich der ökonomischen Ideengeschichte plädiert der Beitrag dafür, dass die Neoliberalismusforschung, welche gerade erst im Begriff ist, derlei Methoden zu übernehmen, an diese Debatten anknüpfen sollte, um das volle Potenzial insbesondere der netzwerkanalytischen Methoden ausschöpfen zu können. Der Hauptteil des Beitrags illustriert die Problematik anhand der aktuellen Forschung von Walter Ötsch und Kollegen zum Einfluss ordoliberaler Netzwerke in der Bundesrepublik. Es wird gezeigt, dass die Konstruktion der Netzwerke zum Teil wenig nachvollziehbar und theoriegeleitet erfolgt. Was diese Methoden zu den Schlussfolgerungen der Autoren beitragen, ist mithin unklar. Eine eigene Ideenskizze und der Hinweis auf andere Arbeiten sollen deutlich machen, dass die Netzwerkanalyse im Rahmen des behandelten Forschungsprogrammes durchaus ein hohes Potenzial birgt, sofern sie theoretisch reflektiert und mit methodischer Strenge eingesetzt wird.

Väter in Elternzeit. Deutungen, Aushandlungen und Bewertungen von Familien- und Erwerbsarbeit im Paar

Der Anteil von Vätern, die Elternzeit beanspruchen, ist mittlerweile auf über ein Drittel angestiegen. Der Beitrag analysiert Deutungen väterlicher Elternzeitnahme anhand narrativer Interviews mit Paaren, in denen der Vater Elternzeit beansprucht(e). Um Aufschluss über die – zwischen den Partner*innen konsensuellen oder nicht konsensuellen – Deutungen der Elternzeit, Bewertungen von Familien- und Erwerbsarbeit und der paarinternen Arbeitsteilung zu erlangen, fokussiert der Artikel aus einer wissenssoziologisch-sozialkonstruktivistischen Perspektive die (inter-)subjektiven Deutungen und Aushandlungen (im Sinne des „negotiated order approach“) der Elternzeitnahme zwischen den Partner*innen. Es lassen sich folgende Deutungen identifizieren: ökonomisch rationale Begründungsmuster; zeitliche Orientierungsrahmen: die Schaffung persönlicher oder gemeinsamer Freiräume für sich, für das Paar, für die Familie oder für soziale Beziehungen; die Ermöglichung beruflicher Neuorientierungen; die legitime Wahrnehmung eines (mittlerweile) existierenden rechtlichen Anspruches; kurze Elternzeitnahme als Anpassung an wahrgenommene betriebliche Erfordernisse; sowie Elternzeit als (versuchte) Sichtbarmachung von Fürsorgearbeit. Deutlich wird zudem, dass trotz der steigenden Elternzeitnahme von Vätern vielfältige geschlechtliche Ungleichheiten in den Paararrangements bestehen bleiben.

Der störrische Bankkunde. Intransparenz und Vertrauensprobleme in der Bank-Kunden-Beziehung

Der historisch-soziologische Beitrag untersucht das Problem der wechselseitigen Intransparenz von Motivlagen in der Beziehung zwischen den deutschen Kreditinstituten und ihrer Kundschaft. Für die Banken stellt sich dieses Problem vor allem in der Form der Unvorhersehbarkeit des Entscheidungsverhaltens ihrer Klienten. Durch eine Reihe von psychologischen Studien versuchen die Banken seit den späten 1950er-Jahren, die Wissenslücke ihre Kunden betreffend zu schließen und die so gewonnenen Einsichten über die vermeintlich irrationalen Einstellungen ihrer Kundschaft möglichst effizient in Marketing und Vertrieb zu nutzen. Umgekehrt wird auch für die Kunden die Intransparenz der Motive der Bank und ihrer Mitarbeiter zum Problem, das sich primär als Vertrauensdilemma im Beratungsprozess äußert. Dies lässt sich anhand von mehr als 20 qualitativen soziologischen Interviews zeigen, die zudem einen Einblick darüber gestatten, wie private Sparerinnen und Sparer versuchen dieses grundsätzliche Vertrauensdilemma zu lösen. Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die Versuche der Banken, das Verhalten ihrer Kunden betriebswirtschaftlich zu rationalisieren, das Vertrauensdilemma auf Seiten der Kunden in der Vergangenheit eher verschärft hat.

„Die Macht des Heiligen“ als eine Alternative zur Entzauberung? Zu Hans Joas’ Religionstheorie

Um die Säkularisierungsthese hat sich in den letzten Jahrzehnten eine hitzige und kontroverse Debatte entwickelt. Anschließend daran hat Hans Joas in seinem jüngst veröffentlichten Buch „Die Macht des Heiligen“ eine Alternative zum Konzept der Entzauberung präsentiert. Der Artikel setzt sich kritisch mit dem Theorieangebot des Buches auseinander. Joas wirft darin Max Weber eine grundlegend fehlkonstruierte Religionstheorie vor, aus der seine nicht haltbare Entzauberungsthese resultiere. Weber habe das Verhältnis von Transzendenz und Immanenz falsch verstanden und daraus unzulässige Schlussfolgerungen eines allgemeingeschichtlichen Verweltlichungsprozesses gezogen. Joas setzt dem eine starke, anthropologisch begründete These von Selbsttranszendenz entgegen, die selbst in der Moderne ihr Potenzial nicht verloren habe. Neben einer Kritik an Joas’ Weber-Interpretation fragt der Artikel nach den lebensführungs- und ordnungsgestaltenden Möglichkeiten von Selbsttranszendenzerfahrungen in der Moderne. Abschließend wird der Einfluss von Joas’ Gläubigkeit auf seine religionswissenschaftlichen Thesen verfolgt.

Schader-Preis 2018 für Otfried Jarren
Individualisierung der Sozialbürgerschaft? Entwicklungen und Widersprüche in Europa

Europäische Wohlfahrtsstaaten wurden in den letzten beiden Jahrzehnten tiefgreifend reformiert. Die Reformen orientierten sich dabei stark am Leitbild der Eigenverantwortung. Für die soziale Sicherung bedeutete dies, so die gängige Einschätzung, eine Individualisierung der Ansprüche, die sich in verschärften Anspruchskriterien und insbesondere in der zunehmend eingeforderten individuellen Arbeitsmarktbeteiligung widerspiegelt. Der Beitrag fragt vor diesem Hintergrund, inwieweit sich die in vielen europäischen Wohlfahrtsstaaten etablierte Bindung sozialer Rechte an Familienmitgliedschaft seit den neunziger Jahren in Richtung einer individualisierten Sozialbürgerschaft verändert hat. Dazu werden im europäischen Vergleich die Entwicklung der Alters- und Arbeitslosensicherung in den letzten Jahrzehnten untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bindung sozialer Rechte an Familienmitgliedschaft sehr dynamisch und vielfältig ist und man keinesfalls von einer generellen Veränderung in Richtung einer Individualisierung der Sozialbürgerschaft sprechen kann, sondern Familienelemente eher gestärkt wurden.

Abschreckung im Konjunktiv. Macht- und Subjektivierungseffekte von Videoüberwachung auf Demonstrationen

Die polizeiliche Videoüberwachung von Demonstrationen wird vor allem für die vermutete Abschreckungswirkung auf die Teilnahmebereitschaft an Demonstrationen kritisiert. Die vorliegende empirische Untersuchung zeigt, dass ihre Wirkungen deutlich komplexer sind. Auf Basis von Gruppendiskussionen mit rechten, linken und (links-)liberalen Demonstrierenden sowie Fußballfans werden die Macht- und Subjektivierungseffekte von Videoüberwachung systematisch in einem Grounded-Theory-Design untersucht. Videoüberwachung löst bei den Betroffenen Unsicherheiten aus, führt zu Reflexionen und produktiven Machtwirkungen wie z. B. der Übernahme polizeilicher Gefahrenkategorien durch die Demonstrierenden. Die Deutung von Videoüberwachung als Abschreckung, Repression, Schutz oder Normalität hängt einerseits mit den Staats- und Polizeibildern der Befragten zusammen und andererseits stark von der Exposition im Protestgeschehen ab. Die Bewertung von Videoüberwachung variiert zudem, je nachdem ob die Einsatzsituationen als konfliktbehaftet oder friedlich wahrgenommen werden. Der Umgang mit Videoüberwachung ist geprägt von protestspektrenspezifischen Sicherheitskulturen, die Handlungssicherheit und damit politische Handlungsfähigkeit auf Dauer herstellen sollen.

Soloselbstständige Lebensführung oder: Leben im Konjunktiv

Auf Basis einer qualitativen Studie untersucht der Beitrag Lebensführungsmuster von Solo-Selbstständigen im sogenannten mittleren Alter. Das herausgearbeitete „Leben im Konjunktiv“ ist aus den sprachlichen Äußerungen der Interviewten abgeleitet, welche kontinuierlich auf das verweisen, was sie eigentlich tun müssten – ohne dem Folge zu leisten. Die Verwendung des Konjunktivs offenbart eine Permanenz des Handlungsdrucks, der stetig in einen Zustand eigentümlicher Lähmung umzuschlagen droht. Der Konjunktiv ist somit nicht nur als sprachliches Produkt, sondern als Bewältigungsmuster der Subjekte zu verstehen: Er verweist auf die strukturellen Handlungsanforderungen und Realisierungsbegrenzungen soloselbstständiger Tätigkeit, welche angesichts einer fortschreitenden Erosion des Normalarbeitsverhältnisses, destandardisierter Lebensverläufe sowie flexibilisierter und entgrenzter Arbeit als Vorreiter politischer Responsibilisierung gelten kann. Unter Bezugnahme auf die Analysekategorie des Alter(n)s legt der Beitrag Sollbruchstellen in der Anrufung eines scheinbar alterslosen unternehmerischen Selbst und der Vorstellung eines kontinuierlichen und stabilen „midlifes“ frei.

Nachruf auf Heiner Ganßmann (1944–2018)
Disruptive Transformationen. Gesellschaftliche Umbrüche und sozial-ökologische Transformationsdynamiken kapitalistischer Industriegesellschaften – ein zyklisch-struktureller Erklärungsansatz

Sozial-ökologische Transformationen, verstanden als mehr oder weniger tiefgreifende Veränderungen gesellschaftlicher Naturverhältnisse, werden nicht nur durch die Verschärfung von Umweltproblemen angetrieben; sie sind immer auch in historisch spezifische makrostrukturelle Entwicklungsdynamiken eingebettet und Teil dieser Dynamiken. Die seit einigen Jahren florierende transformative Nachhaltigkeitsforschung und die politische Forderung nach einer neuen „Großen Transformation“ blenden diese strukturellen Abhängigkeiten weitgehend aus. Das soll in dem vorliegenden Beitrag korrigiert werden. Er skizziert ein mehrdimensionales Modell industrieller Modernisierungs- und Transformationsdynamiken, das es ermöglicht, die historische Transformation von Umweltparadigmen und Umweltregimen seit dem späten 19. Jahrhundert (vom Naturschutz über den Umweltschutz bis hin zur nachhaltigen Entwicklung) systematisch mit den zyklischen, krisenhaften Restrukturierungen der Regulationsmodelle kapitalistischer Industriegesellschaften zu verbinden. Diese disruptiven gesellschaftlichen Transformationen sind eng mit grundlegenden technologischen Innovationen, den langen ökonomischen Wellen der Weltwirtschaft und mit politischen Hegemonialzyklen verknüpft. Abschließend diskutiert der Beitrag die Konsequenzen, die sich aus dieser analytischen Perspektive für das Verständnis der gegenwärtigen, konfliktgeladenen Dynamik des globalen Wandels und für die (begrenzten) Möglichkeiten ergeben, die dieser Wandel für radikalere Transformationen hin zu einer gesellschaftlich und ökologisch nachhaltigen, postfossilen Zukunft bietet.

Das schulische Fremdsprachenprofil als soziale Segregationslinie. Historische Entstehung und gegenwärtige Relevanz der schulischen Fremdsprachenwahl als horizontal differenzierende Bildungsentscheidung

Obgleich moderne Fremdsprachenkenntnisse heute nahezu unverzichtbar sind, erfreut sich das Lernen von Latein nach wie vor großer Beliebtheit. Lateinabsolventen sind am Arbeitsmarkt sogar überdurchschnittlich erfolgreich. Wie lassen sich diese Befunde erklären? Mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) wird in diesem Artikel aufgezeigt, dass ein positiver Zusammenhang zwischen einer bildungsbürgerlichen Abstammung und Lateinkenntnissen besteht. Ebenso wie die generelle Popularität erklärt sich die positive Wirkung auf dem Arbeitsmarkt, so die These, folglich aus der Bedeutung von Latein als Marker kulturell elitärer Zugehörigkeit. Um dies zu verdeutlichen, werden die historischen Entwicklungen in Deutschland im Bereich der höheren Sekundarbildung in Bezug auf die wählbaren Fremdsprachen analysiert und mithilfe der Feldtheorie Bourdieus interpretiert. Das Angebot an modernen Fremdsprachen, wie es in der heute dominanten realbildenden, an einem internationalen Arbeitsmarkt orientierten Ausrichtung vorherrscht, erweist sich dabei als ein Produkt des Erfolgs häretischer Kräfte im Feld, die das orthodoxe humanistische Bildungsideal zurückdrängten. Im Zuge der Inflation des Abiturs durch die Bildungsexpansion der vergangenen Jahrzehnte hat sich der elitäre Sinngehalt des Abiturs auf das humanistische Abitur im Speziellen verlagert. In der Folge stellt die schulische Fremdsprachenwahl eine schließungsrelevante Dimension sozialer Ungleichheit im Bildungswesen dar.

Transformationen alltäglicher Lebensführung. Konzeptionelle und zeitdiagnostische Fragen
Zur Reproduktion sozialer Ungleichheit im Feld der Wissenschaft

Die deutsche Wissenschaft weist nach wie vor eine hohe Selektivität nach sozialer Herkunft auf. Der Beitrag diskutiert, inwieweit die jüngsten strukturellen Entwicklungen zu einer höheren sozialen Geschlossenheit in der Wissenschaft führen. Es wird argumentiert, dass einerseits informelle Rekrutierungsmechanismen die Bedeutung habitueller und kultureller Passungsfähigkeit erhöhen sowie andererseits der politisch initiierte Wettbewerb und die Zunahme befristeter, unsicherer (Teilzeit‑)Beschäftigungen in der Wissenschaft die Abhängigkeit einer wissenschaftlichen Laufbahn von der sozialen Herkunft verstärken. Diese Entwicklung vollzieht sich quantitativ über eine verschärfte Konkurrenzsituation des sog. wissenschaftlichen Nachwuchses und qualitativ über prekäre Arbeitsbedingungen und unzureichende Karriereaussichten. Überdies scheint es sich hierbei um Selektionsmechanismen zu handeln, die innerhalb der Qualifikationsstufen wirken und lediglich an den Übergängen sichtbar werden.

Ein ambivalentes Erbe: Von Durkheims (un-)politischer Soziologie zu Bourdieus Religionssoziologie des Staates

Der Aufsatz befasst sich mit dem ambivalenten Erbe Emile Durkheims in der Soziologie Pierre Bourdieus. Im Mittelpunkt stehen die Beiträge beider Autoren zur politischen Soziologie und zur Staatssoziologie, die von ihren wissenssoziologischen Prämissen her rekonstruiert werden. Hierzu werden in einem ersten Schritt zunächst einige gravierende blinde Flecken in Durkheims politischer Soziologie aufgezeigt, in der der Staat als gesellschaftliches „Gehirn“ konzipiert und zugleich Machtbalancen, sozialen Konflikten sowie konkreten Akteurs- und Interessenskonstellationen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. In einem zweiten Schritt wird herausgearbeitet, dass Bourdieus Staatssoziologie einerseits an zentralen Punkten auf den Annahmen Durkheims aufbaut, andererseits aber dessen Defizite unter Einbeziehung von Ideen Max Webers und durch ihre Integration in einen erweiterten macht- und herrschaftssoziologischen Rahmen zu überwinden sucht. Der Vergleich der beiden Autoren zeigt, dass Bourdieu allerdings nicht lediglich Durkheims staatszentrische Konzeption von Gesellschaft übernimmt; zu seinem „durkheimianischen Erbe“ gehört vielmehr auch ein methodologischer religionssoziologischer Universalismus, der seine gesamte Gesellschaftstheorie anleitet und letztlich ihr analytisches Potenzial beschneidet, was in der theoretischen Behandlung des Staates deutlich zutage tritt.

Ökonomischer Nationalismus? „Nation“ und „Nationalismus“ in der soziologischen Analyse wirtschaftlicher Ordnungen
Nachruf auf Wolfgang Zapf (1937–2018)
Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Generation von Migrantinnen in der Wahrnehmung symbolischer Grenzen und in den Strategien ihrer Grenzarbeit

Auf der Grundlage von Gruppendiskussionen mit in Deutschland lebenden Migrantinnen verschiedener Herkunft rekonstruiert der Beitrag, ob und in welchem Maße die erste und die zweite Generation von Migrantinnen unterschiedliche Kategorisierungs- und Diskriminierungserfahrungen gemacht und welche verschiedenen Strategien des Umgangs mit der symbolischen Grenze zwischen Mehrheitsgesellschaft und Minderheit sie entwickelt haben. Analysiert werden diese Fragen am Beispiel des Umgangs mit Vornamen. Der Generationsvergleich zeigt, dass sich die symbolische Grenze zwischen Mehrheitsgesellschaft und Minderheit aufgeweicht hat. Dieser Befund gilt allerdings nicht für Migrantinnen aus dem türkisch-arabischen Raum. Sie machen eine ambivalente Erfahrung, insofern sie sehen, dass Migration etwas Selbstverständliches geworden ist, sie selbst sich aber als Muslime häufig ausgegrenzt fühlen. Die Erfahrung einer Öffnung symbolischer Grenzen überlagert sich hier mit der Erfahrung einer Grenzkontraktion.

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